Lager 6 Oberlangen

Emslandlager 6 Oberlangen 52.857506, 7.179854
Während der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 bestanden im Emsland und in der Grafschaft Bentheim insgesamt 15 Gefangenenlager. Sie hatten als Konzentrations-, Strafgefangenen- und Kriegsgefangenenlager unterschiedliche Funktionen. In Blickrichtung befand sich von 1933 bis 1945 das Lager VI Oberlangen. Es wurde im Herbst 1933 gebaut und diente zunächst als Ausbildungslager für die Wachmannschaften. Ab April 1934 nutzte die Justizverwaltung das Lager zur Unterbringung von 1.000 Strafgefangenen. Die bewachung übernahm eine im Dienst der Justiz stehende SA-Einheit, die später durch Justizbeamte ergänzt wurde. Bis Kriegsbeginn waren Menschen inhaftiert, die vom NS Regime aus ethnischen, politischen, rassistischen, sozialen oder religiösen Gründen verfolgt wurden. Hinzu kam eine weitaus größere Gruppe von Gefangenen, die für kriminelle Delikte verurteilt worden waren. Die Bestrafung orientierte sich aber oftmals nicht nur an der Straftat, sondern auch an angeblichen Gesinnungs- und Persönlichkeitsmerkmalen sowie einem unterstellten ,,volksschädigenden” Verhalten.
Die Gefangenen mussten, je nach Jahreszeit, 8 bis 12 Stunden täglich Zwangsarbeit im Moor leisten (Entwässerung, Straßen- und Wegebau, Torfabbau). Uber diese allgemeine Tortur hinaus waren die Gefangenen vielfachen körperlichen und seelischen Misshandlungen durch die Willkür der Wachmannschaften ausgesetzt. Im Jahr 1935 waren im Monatsdurchschnitt 788 Strafgefangene inhaftiert. Davon befanden sich etwa 80 Prozent im Arbeitseinsatz. Etwa die Hälfte der Strafgefangenen aus Oberlangen wurde im September 1938 zum Bau von Befestigungsanlagen in die Pfalz abgezogen. Erst im Sommer 1939 war das Lager wieder mit 800 bis 1.000 Strafgefangenen belegt. Nach Kriegsbeginn im September 1939 übernahm das Oberkommando der Wehrmacht das Lager als Kriegsgefangenenlager und ordnete es als Zweiglager dem Kriegsgefangenen-Mannschaftstammlager VI B Neu Versen zu. 1940/41 war das Lager mit etwa 1.400 polnischen Fähnrichen, im Herbst 1941 mit 2.000 sowjetischen Soldaten belegt. 1943 wurde Oberlangen ein Offizierslager. Am 1. September 1944 waren hier 4.967 italienische Militärinternierte und 920 kriegsgefangene sowjetische Offiziere registriert. Nach dem Scheitern des Warschauer Aufstandes wurden vom Dezember 1944 bis April 1945 kriegsgefangene Soldatinnen der polnischen Heimatarmee nach Oberlangen gebracht. Im März 1945 befanden sich hier insgesamt 1.556 kriegsgefangene Soldatinnen. Am 12. April 1945 wurde das Lager durch die 1. Polnische Panzerdivision befreit. Auf der Kriegsgräberstätte Oberlangen ruhen 62 sowjetische Soldaten in Einzelgräbern und 2.000 bis 4.000 unbekannte sowjetische Kriegsgefangene in Sammelgräbern.