Lager I – Börgermoor

 

Während der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 bestanden im Emsland und in der Grafschaft Bentheim insgesamt 15 Gefangenenlager. Sie hatten als Konzentrations-, Strafgefangenen- und Kriegsgefangenenlager unterschiedliche Funktionen. ln Blickrichtung befand sich von 1933 bis 1945 das Lager Börgermoor. Es gehörte neben Neusustrum und Esterwegen zu den frühen Konzentrationslagern im Emsland. Ab Juni 1933 inhaftierten die nationalsozialistische Führung und der preußische Staat in dem für 1.000 Häftlinge angelegten Lager vor allem politische Gegner und setzte sie zur Zwangsarbeit in derMoorkultivierung ein. ln seinem 1935 im Schweizer Exil erschienenen Buch „Die Moorsoldaten“ schildertWolfgang Langhoff seine Hafterlebnisse in Börgermoor, darunter die Entstehung des Liedes „Wir sind die Moorsoldaten“ im August 1933. Die SS-Wachtruppe terrorisierte die Häftlinge. Aufgrund von Zuständigkeitsstreitigkeiten zwischen preußischem Staat und SS löste im November 1933 eine staatlich angestellte Wachmannschaft der SA die SS ab. An der unmenschlichen Behandlung der Häftlinge änderte das kaum etwas. lm April 1934 wurde das Lager als KZ aufgelöst und als strafgefangenenlager der Justiz weitergeführt. Die Bewachung übernahm eine im Dienst der Justiz stehende SA-Einheit, die später durch Justizbeamte ergänzt wurde. Die Gefangenen mussten, je nach Jahreszeit, 8 bis 12 Stunden täglich Zwangsarbeit im Moor leisten (Entwässerung, Straßen- und Wegebau, Torfabbau). Nach Kriegsbeginn 1939 wurden sie zunehmend in kriegswichtigen Betrieben und in der Landwirtschaft eingesetzt. Die Verpflegung war schlecht und im Verhältnis zur harten Arbeit nicht ausreichend. Über diese allgemeine Tortur hinaus waren die Gefangenen vielfachen körperlichen und seelischen Misshandlungen durch die Willkür derWachmannschaften ausgesetzt. Es kam zu einer nicht bekannten Zahl von Todesfällen und Morden. Bis Kriegsbeglnn waren Menschen inhaftiert, die vom NS-Regime aus ethnischen, politischen, rassistischen, sozialen oder religiösen Gründen verfolgt wurden. Hinzu kam eine weitaus größere Gruppe von Gefangenen, die für kriminelle Delikte verurteilt worden waren, Die Bestrafung orientierte sich aber oftmals nicht nur an der Straftat, sondern auch an angeblichen Gesinnungs- und Persönlichkeítsmerkmalen sowie einem unterstellten „volksschädigenden“ Verhalten. Nach Kriegsbeginn verlegten die Justizbehörden zunehmend auch von Wehrmachts gerichten verurteilte, ehemalige Soldaten in das Lager. Im Februar 1944 wurden für kurze Zeit ca. 500 bis 600 sogenannte „Nacht-und-Nebel”-Gefangene, Widerstands kämpfer aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden, nach Börgermoor gebracht, da das für ihre Aufnahme vor gesehene Lager Estenuegen völlig überfüllt war lm April 1945 wurde das Lager geräumt und die Gefangenen mussten in das Lager Aschendorfermoor marschieren. Hierbei kam es zu einzelnen Erschießungen von Gefangenen. Die Toten des Lagers Börgermoor, deren Zahl aufgrund in der Nachkriegszeit verlorener Unterlagen unbekannt ist, wurden auf dem Lagerfriedhof Börgermoor, heute Begräbnisstätte Esterwegen, beerdigt.

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